Paritätischer Jahresempfang 2026: viele Herausforderungen, ein klares Ziel
Es war ein im Wortsinn bewegender Beginn des Paritätischen Jahresempfanges: Die Theatergruppe „Die Grünen Bananen" brachte die rund 500 Gäste im Festsaal Kreuzberg gleich zu Beginn zum Tanzen. Stefan Dominik Peter, Vorstandsvorsitzender des Paritätischen Berlin, und Geschäftsführer Martin Hoyer begrüßten anschließend die Gäste: haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende der 820 Mitgliedsorganisationen, Vertreterinnen und Vertreter von Politik – darunter der Regierende Bürgermeister Kai Wegner und die Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe – Gäste aus Verwaltung und Gesellschaft sowie von anderen Verbänden. „Gemeinsam mit unseren Mitgliedern zeigen wir jeden Tag und überall in Berlin, dass soziale Arbeit wirkt“, so Martin Hoyer.
Kai Wegener: "Machen Sie bitte weiter!"
Nach seiner Begrüßung lud Martin Hoyer spontan den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner ein, einige Worte an die Anwesenden zu richten. Wegner betonte, dass die Anwesenheit von Mitgliedern aller demokratischen Parteien ein Zeichen der Wertschätzung setze: „Gäbe es Sie nicht, wie arm wäre unsere Stadt! Soziale Arbeit ist unverzichtbar, machen Sie bitte weiter, denn das ist auch ein Kampf für unsere Demokratie."
Demokratie in der Defensive?
Dieses Stichwort nahm die stellvertretende Geschäftsführerin Anne Jeglinski auf und stellte die Gastrednerin des Abends vor: Paulina Fröhlich, Senior Expert Demokratie & Zusammenhalt von der Bertelsmann Stiftung, beschrieb in einem inspirierenden Vortrag Strategien, die Zivilgesellschaften handlungsfähig machen, wenn die Demokratie bedroht wird. Sei die Zivilgesellschaft erstmal in der Defensive, verharre sie gerne dort – wie der Hase vor der Schlange. Nur eine aktive, kreative und selbstkritische Zivilgesellschaft mache Demokratien resilient. Doch dafür müssten Gesellschaften sozial gerecht sein – Ungleichheit schwäche jede Demokratie. „Deshalb ist eine vielfältige, rechtssichere, finanziell ausgestattete Zivilgesellschaft, die zudem Aufgaben im Sozialwesen übernimmt, überlebenswichtig für die Demokratie", so Fröhlich.
Wie wir Berlin besser machen: Positionen zur Wahl
„Wir erleben gerade einen massiven Angriff auf den sozialen Bereich." Mit diesen Worten leitete Martin Hoyer über zum Dialog mit Anne Jeglinski, in dem sie ein aktuelles Gesamtbild des Paritätischen Berlin zeichneten. „Wir stärken Zivilgesellschaft und sozialen Zusammenhalt, fördern Inklusion und bauen Brücken zwischen sozialer Arbeit und Politik," fasste Jeglinski die Grundlagen des Paritätischen zusammen. Vor diesem Hintergrund stellten beide die „Paritätischen Positionen zur Berlin-Wahl 2026" vor: Der Wohlfahrtsverband fördert das demokratische Zusammenleben der Menschen in Berlin und bietet Unterstützung für alle. Gemeinsam mit seinen Mitgliedsorganisationen leistet er unbürokratische Hilfe für jene, die sie brauchen. Er stärkt Prävention und Bildung und setzt sich für bezahlbaren Wohnraum ein. Mit Politik und Verwaltung arbeitet er konstruktiv zusammen: „Wir sind Partner mit dem gleichen Ziel," so Hoyer. Umso entschiedener kritisierte er die Sozialpolitik: „Kürzungen bei Menschen, die benachteiligt sind, kann nicht der Weg sein. Menschenwürde ist keine Haushaltsgröße!"
Der inklusive Chor der Lebenshilfe Berlin gGmbH, die „Nogat Singers", ließ das Bühnenprogramm schließlich harmonisch ausklingen. Allen Teilnehmenden war am Ende klar: Die Herausforderungen sind vielfältig; das starke Ziel und Motto des Paritätischen bleibt: Berlin besser machen.
von Bernd Ratmeyer
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