Kita-Bericht 2026 des Paritätischen Gesamtverbands: Sinkende Kinderzahlen und Fachkräftemangel belasten Berliner Kitas
Der Kita-Bericht 2026 des Paritätischen Gesamtverbands zeigt für Berlin deutlichen Handlungsbedarf. Der Bericht beruht auf den Ergebnissen einer von dem Paritätischen Gesamtverband durchgeführten bundesweiten Onlineumfrage unter 3.267 Kitas, darunter 161 Berliner Einrichtungen. Die Ergebnisse machen sichtbar, wo personelle Engpässe und zusätzliche Unterstützungsbedarfe den Kita-Alltag erschweren.
Im bundesweiten Vergleich weist Berlin den höchsten Wert bei den wegen fehlender Fachkräfte unbelegten Plätzen auf:
- Durchschnittlich bleiben 11,7 Betreuungsplätze je Einrichtung aus diesem Grund ungenutzt.
- Gleichzeitig werden im Mittel 12,9 Plätze je Einrichtung wegen zurückgehender Kinderzahlen nicht belegt.
- 36,5 Prozent der befragten Berliner Kitas mussten Eltern innerhalb von vier Wochen mehrfach bitten, ihre Kinder früher abzuholen oder zu Hause zu betreuen.
- 41,2 Prozent berichteten zudem, dass mehr Mitarbeitende gegangen als neu hinzugekommen sind.
Für Familien sind verlässliche Kitas ein zentraler Teil ihres Alltags. Kurzfristige Betreuungsausfälle bringen Familien in organisatorische Bedrängnis und erschweren die verlässliche Gestaltung des Alltags. Kitas sind zugleich Orte der Bildung, der Begegnung und der Unterstützung. Sie stärken Familien, ermöglichen Teilhabe und leisten einen wichtigen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt in Berlin.
Die neue Kitaentwicklungsplanung des Landes Berlin zeigt: Sinkende Kinderzahlen lösen den Fachkräftemangel nicht automatisch. Für 2030/31 wird ein Bedarf von rund 32.600 Vollzeitstellen prognostiziert – rund 5.200 mehr als heute. Dieser zusätzliche Bedarf entsteht vor allem durch den verbesserten Personalschlüssel, steigende Betreuungsquoten und den erleichterten Zugang zur Kindertagesbetreuung. Weniger Kinder bedeuten deshalb nicht automatisch weniger Personalbedarf, wenn Qualität und Teilhabe verbessert werden sollen.
Überlastung entsteht dort, wo Fachkräfte dauerhaft fehlendes Personal, zusätzliche Unterstützungsbedarfe und wachsende Anforderungen mit zu wenig Zeit für Vorbereitung, Austausch und Elternarbeit auffangen müssen. Berliner Fachkräfte leisten jeden Tag anspruchsvolle Bildungs-, Beziehungs- und Inklusionsarbeit in Kitas. Im Interesse der Kinder, der Familien und aller Menschen in Berlin braucht es deshalb beides: Entlastung und Wertschätzung sowie verlässliche Bedingungen für ein gesellschaftlich unverzichtbares Berufsfeld.
Der bestehende Fachkräftemangel und der künftig weiter steigende Bedarf machen deutlich: Es braucht bessere Rahmenbedingungen, um die Ausbildung zu stärken, Fachkräfte zu gewinnen, im Beruf zu halten und ihnen gute pädagogische Arbeit zu ermöglichen.
Unsere Wahlforderungen verbinden Qualitätssicherung, Fachkräfteentlastung und Familienunterstützung:
- mehr mittelbare pädagogische Arbeitszeit
- verlässliche Hilfen für Kinder mit hohem Unterstützungsbedarf
- dauerhaft gesicherte Kitasozialarbeit
- Investitionen in sanierungsbedürftige, wohnortnahe Kitastandorte
Kontakt
Marie Biallet
E-Mail: biallet[at]paritaet-berlin.de
Sabine Kosler
E-Mail: kosler[at]paritaet-berlin.de
Merle Sasse
E-Mail: sasse[at]paritaet-berlin.de