Berliner Haushalt: Belange von Familien konsequent in den Mittelpunkt stellen!
Appell der Arbeitsgemeinschaft der Familienorganisationen Berlin (AGF) an den Berliner Senat und das Berliner Abgeordnetenhaus
In einer gemeinsamen von allen Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft der Familienorganisationen Berlin (AGF) – dazu gehören die Paritätischen Mitgliedsorganisationen Deutscher Familienverband Berlin e.V., SelbstHilfeInitiative Alleinerziehender e.V. Berlin sowie Verband Alleinerziehender Mütter und Väter Berlin e.V. – verfassten Stellungnahme heißt es:
Die Arbeitsgemeinschaft der Familienorganisationen Berlin (AGF) appelliert eindringlich an den Berliner Senat und das Berliner Abgeordnetenhaus, bei den Haushaltsplanungen für den DHH 2026/27 die Belange von Familien konsequent in den Mittelpunkt zu stellen. Familien sind das Rückgrat unserer Stadt – sie zu vernachlässigen, bedeutet, Zukunft zu gefährden. Eine gleichbleibende Summe im Haushalt stellt de facto eine Kürzung dar, wenn gleichzeitig Kosten steigen. Wir fordern daher eine nachhaltige und bedarfsgerechte Finanzierung familienpolitischer Maßnahmen, die nicht nur erhalten, sondern gezielt gestärkt werden.
Familien müssen in ihrer ganzen Vielfalt mitgedacht werden – unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Familienform. Dabei muss das ‚System Familie‘ ganzheitlich mit allen Lebensphasen und den entsprechenden Bedarfen im Blick bleiben.
Mit dem Berliner Familienfördergesetz von 2021 wurde erstmals eine gesetzliche Grundlage zur strukturierten Ausgestaltung familienunterstützender Angebote nach § 16 SGB VIII geschaffen. Ziel waren Qualitätsentwicklung, verlässliche Finanzierung und mehr Planungssicherheit für Träger – als Beitrag zur Stärkung und Armutsprävention von Familien. Inzwischen sind zahlreiche Projekte und Kooperationen gefährdet. Die AGF fordert, das Gesetz an den realen fachlichen Förderbedarfen auszurichten, und dafür Sorge zu tragen, dass durch die Übertragung von Angeboten in die Bezirke diese weiterhin finanziert und erhalten bleiben.
Zukunftssichere Familienpolitik braucht qualifiziertes Personal und belastbare Strukturen. Investitionen in stabile Trägerlandschaften, gute Arbeitsbedingungen und ausreichende Fachkräfte in Beratung, Bildung, Gesundheit und Betreuung sind keine Nebensache – sie sind Voraussetzung dafür, dass familienpolitische Maßnahmen überhaupt greifen können.
Wir fordern den Berliner Senat und das Abgeordnetenhaus von Berlin auf, familienbezogene Programme langfristig finanziell abzusichern, statt sie Jahr für Jahr neu zu verhandeln. Die Verstetigung erfolgreicher Maßnahmen ist ein Zeichen von Verlässlichkeit gegenüber den Familien – und eine notwendige Grundlage für nachhaltige Wirkung, denn Familienarbeit endet nicht mit der Einschulung.
Kürzungen im Bereich Jugend- und Familienförderung auf Landes- oder Bezirksebene sind für uns nicht tragbar. Eine Kürzung der Tarifmittelvorsorge oder die Auflösung von Pauschalen Minderausgaben auf Kosten der Familienhilfe bedeuten konkret: weniger Unterstützung, weniger Schutz, weniger Perspektiven für Kinder, Jugendliche und ihre Familien.
Die AGF Berlin macht sich stark für eine familienfreundliche Stadtpolitik. Wir erwarten, dass der Senat seiner Verantwortung gerecht wird – politisch, gesellschaftlich und finanziell. Familien dürfen nicht hinten runterfallen – sie gehören ins Zentrum jeder Haushaltsentscheidung. Nur so kann eine funktionierende Gesellschaft, in der Demokratie, Teilhabe und Sozialkompetenzen im Zusammenleben die prägenden Elemente sind, auch entstehen und wachsen.
Familien sind unkürzbar! Jetzt ist die Zeit, das auch im Haushalt 2026/27 sichtbar zu machen.