Partner für soziale Arbeit

Aktuelles

  • Schlagwort Aus den Mitgliedsorganisationen
  • Art Meldungen
  • Veröffentlichungsdatum 01.08.2025

Berlin braucht auch “Mobile Stadtteilarbeit”

Mobiler Infostand im Zeichen des Protests © Kiezspinne

Berlin-Fennpfuhl – Seit fast vier Jahren rollt sie durch den Stadtteil: Die Mobile Stadtteilarbeit des Vereins Kiezspinne FAS. Was im September 2021 berlinweit mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) als Reaktion auf die Corona-Pandemie begann, hat sich längst zu einem festen Bestandteil im Kiez entwickelt – ein mobiler Treffpunkt, der Begegnung, Beratung und Beteiligung im öffentlichen Raum möglich macht. Und nicht nur das: An dem mobilen Stand können sich Bürger:innen unkompliziert über lokale Veranstaltungen, Beratungsstellen und soziale Angebote informieren. Gleichzeitig ist er Sprachrohr der Nachbarschaft: Themen, die im Kiez bewegen, werden aufgenommen, weitergedacht und mit Hilfe engagierter Anwohner:innen in neue Formate übersetzt – von kleinen Nachbarschaftstreffen bis hin zu größeren Festen und Aktionen.

Doch dieses niedrigschwellige, bürgernahe Angebot ist nun gefährdet. Aktuell wird das Projekt von der Berliner Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung gefördert – jedoch nur befristet für zwei Jahre. Ab 2026 ist die Finanzierung noch ungewiss.

Stadtteilarbeit ist langfristige Beziehungsarbeit! Und genau darin liegt das Problem. Diese Arbeit lässt sich nicht im Zwei-Jahres-Takt denken – Vertrauen, Netzwerke und Gemeinschaft wachsen langsam. Besonders für ältere Menschen im Stadtteil ist der Infostand und die daraus gewachsenen regelmäßigen Veranstaltungen ein wichtiger sozialer Anker. Wenn dieser wegfällt, verliert der Stadtteil nicht nur ein Informationsangebot – sondern auch einen Ort, an dem Menschen gesehen und gehört werden sowie Gemeinschaft erlebbar wird.

Die Bedeutung solcher Strukturen ist nicht zu unterschätzen – gerade in Zeiten gesellschaftlicher Unsicherheiten, wachsender Einsamkeit und sozialer Spaltung. Die Mobile Stadtteilarbeit leistet konkrete Demokratiearbeit. Durch Beteiligung, Austausch auf Augenhöhe und das Sichtbarmachen von Nachbar:innen füreinander wird Demokratie ganz praktisch gelebt – auf dem Gehweg, zwischen Kaffeebechern, Flyern und einem guten Gespräch.

Die Mobile Stadtteilarbeit schafft verschiedene Formate, Orte und Strukturen für nachbarschaftliche Begegnungen. Doch für diese Arbeit braucht es auch politische Rückendeckung. Die Mitarbeiter:innen beteiligen sich inzwischen an Demonstrationen gegen Kürzungen im sozialen Bereich und fordern eine langfristige Finanzierung. Ihr Ziel: Die mobilen Begegnungsorte sichern und weiterentwickeln – für einen solidarischen Stadtteil, in dem niemand übersehen wird. Angebote wie die Mobile Stadtteilarbeit sind also keine "Extras" – sie sind relevant für ein funktionierendes Miteinander – gerade in einer Großstadt wie Berlin.

Das Team der Mobilen Stadtteilarbeit

Aktuelles