40 Jahre Opferhilfe Berlin: Vier Jahrzehnte an der Seite von Menschen nach einer Straftat
„Opferschutz bedeutet, Menschen in einer schwierigen Lebenssituation nicht allein zu lassen. Gerade heute, in einer Zeit, die viele als unsicher erleben, sind verlässliche Unterstützung, Orientierung und menschlicher Zusammenhalt wichtiger denn je.“
Eva Schumann, Geschäftsführerin der Opferhilfe Berlin e.V.
Seit 40 Jahren unterstützt die Opferhilfe Berlin Menschen nach einer Straftat. Allein im vergangenen Jahr nahmen mehr als 4000 Betroffene die Angebote des Vereins in Anspruch – so viele wie nie zuvor. Was 1986 als Initiative für eine bessere Unterstützung von Betroffenen begann, hat sich zur größten professionellen Opferhilfeeinrichtung Berlins und zu einem wichtigen Bestandteil der Berliner Hilfelandschaft entwickelt. In diesen vier Jahrzehnten hat der Verein den Berliner Opferschutz entscheidend mitgeprägt – etwa durch den Aufbau der Zeug*innenbetreuung, die Entwicklung proaktiver Unterstützungsangebote und den kontinuierlichen Ausbau professioneller Beratungsstrukturen.
Heute steht der Opferschutz vor neuen Herausforderungen: Digitale Gewaltformen gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig erleben viele Menschen gesellschaftliche und persönliche Unsicherheiten, die die Folgen einer Straftat verschärfen können. „Gewalterfahrungen können nicht isoliert betrachtet werden – sie stehen immer im Kontext der Lebensrealität der Menschen“, sagt Eva Schumann. Hohe Lebenshaltungskosten, angespannte Wohnverhältnisse, lange Wartezeiten auf therapeutische Unterstützung und weitere Belastungen prägen den Alltag vieler Menschen. Wer in einer solchen Situation zusätzlich eine Straftat erlebt, braucht schnelle und verlässliche Hilfe.
Die Opferhilfe Berlin versteht ihre Arbeit dabei als Teil eines starken Netzwerks. Gemeinsam mit Fachberatungsstellen, Polizei, Justiz, Verwaltung und vielen weiteren Partner*innen setzt sich der Verein dafür ein, ein starkes Hilfenetz für Berlin zu sichern. Denn hinter jeder Beratung steht ein Mensch mit einer eigenen Geschichte – und oft ist rechtzeitige Unterstützung der entscheidende Schritt zurück in ein selbstbestimmtes Leben. Damit dies auch künftig gelingt, sind verlässliche Rahmenbedingungen für die Unterstützungsangebote Berlins elementar.
Drei Projekte, ein Ziel: Betroffene stärken
„Die Folgen der Straftat waren für mich echt überall zu spüren, im Freundeskreis, auf der Arbeit … Und ich habe mich gar nicht mehr rausgetraut. Da hat mir die Beratung sehr geholfen, wieder Vertrauen zu fassen.“
Klientin der Beratungsstelle
Seit der Vereinsgründung werden in der Beratungsstelle der Opferhilfe Berlin Menschen jeden Alters, jedes Genders und jeder Herkunft einmalig, oft aber auch längerfristig zu Straftaten beraten – von Körperverletzung und Bedrohung über Einbruch und Betrug bis hin zu sexualisierter und häuslicher Gewalt. Außerdem geben die Mitarbeitenden Fortbildungen für vielfältige Institutionen in ganz Berlin, um Sensibilität und Wissen zu den Bedarfen von Betroffenen zu verbreiten.
„Ich habe mich sehr unwohl gefühlt bei der Vorstellung, allein in so eine Verhandlung gehen zu müssen. Die Begleiterin gab mir das Gefühl von Sicherheit und nahm mir die Angst.“
Klient der Zeug*innenbetreuung
Für eine nachhaltig verbesserte Situationen von Zeug*innen im Gerichtsverfahren hat die 2001 ins Leben gerufene Zeug*innenbetreuung gesorgt. Sie unterstützt und begleitet Zeug*innen im Kriminalgericht Moabit und wirkt kontinuierlich auf eine größere Betroffenenorientierung des Justizapparates hin.
„Ich wäre von mir aus nicht auf den Gedanken gekommen, mir Beratung zu suchen. Ich denke immer, ich muss das allein schaffen.“
Klient der proaktiv – Servicestelle für Betroffene von Straftaten
Einen echten Paradigmenwechsel im Opferschutz hat die 2020 gegründete proaktiv – Servicestelle für Betroffene von Straftaten herbeigeführt: Betroffene werden nicht mehr allein gelassen, sondern erhalten direkt nach der Tat ein passgenaues Hilfsangebot. So wird Unterstützung zur Regel und hängt nicht mehr davon ab, ob die Betroffenen nach einer womöglich traumatisierenden Tat die Kraft aufbringen, eigenständig nach Hilfe zu suchen.