Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Ausschnitt einer Buehnenauffuehrung - Foto: Anja Nommensen Neukoellner Schulprojekt 'Der rote Faden' - Foto: Kerstin Wuestenhoefer-Loges Vier Jungen unterschiedlicher Herkunft - Foto: Kerstin Wuestenhoefer-Loges

Der Paritätische - abgedreht

Geschäftsbericht 2011/2012

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Barbara John meint:

Virtuelles Mahnmal für die „Euthanasie“-Opfer

Von: Barbara John

Der Opfer der nationalsozialistischen Patientenmorde zu gedenken, die Erinnerung an sie wach zu halten, ist unserem Verband ein starkes Anliegen. Viele Menschen, für die sich der PARITÄTISCHE heute mit seinen Mitgliedern engagiert, zum Beispiel Wohnungslose, sozial ausgegrenzte Menschen, Migranten, aber auch gerade Menschen mit Behinderungen,sind nach dem rassistisch-sozialdarwinistischen Konzept des Nationalsozialismus damals Opfer von Verfolgung und Tötungen geworden. Was wir heute noch tun können, ist wenig, nämlich den Opfern ihren Namen zurück zu geben; sie nicht zu vergessen, aber auch die unfassbaren Medizinverbrechen mahnend im Gedächtnis zu behalten.
Vor wenigen Tagen ist (www.) gedenkort-T4.eu freigeschaltet worden, die Informations-und Gedenkseitefür die über 300.000 Opfer der NS-„Euthanasie“. Die Freischaltung fand am 9. November im Rahmen einer Feierstunde im Auditorium der Topographie des Terrors statt. Ich hatte die Ehre, für unseren Verband dabei zu sein. Der virtuelle „gedenkort-T4.eu“  ist ein Projekt unseres Verbandes. Danken möchte ich hier ganz besonders dem Initiator des Projekts Reinald Purmann und dem Projektleiter Stefan Schenck. Das Projekt wird mit EU-Mitteln gefördert und durch unsere Stiftung PARITÄT Berlin und die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ kofinanziert.  Zu danken ist auch der Stiftung Topographie des Terrors und der Berliner Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales für die Unterstützung dieses Vorhabens.  

Das virtuelle Denkmal Gedenkort-T4.eu ist eine zeitgemäße Form, die Ungeheuerlichkeit der nationalsozialistischen Patientenmorde zu dokumentieren. Die hier veröffentlichten Biographien einer Reihe der bisher weitgehend unbekannten „Euthanasie“-Opfer rücken diese Schicksale in unsere Gegenwart. Wir können hier erfahren, wie die jungen Menschen, die Frauen und Männer gelebt haben, bis sie abtransportiert wurden. Welche Stationen haben sie durchlitten auf dem Transport in den Tod? Was wurde ihren Familien und Angehörigen mitgeteilt über ihren Tod? Wichtige Informationen, aber nicht die entscheidenden. Warum beispielsweise waren es nur ganz Wenige, die da damals protestiert haben, ihre Stimme erhoben? Und warum konnten viele damalige Täter im Nachkriegsdeutschland, und zwar in beiden Staaten, wieder Karriere machen? Es graust einem bei diesem Gedanken.  

Die aktuelle politische Diskussion zu Formen des Gedenkens in der Tiergartenstr.4 findet auf der Website ihren Niederschlag. Der Zusammenhang zu den vorangegangenen Initiativen des Gedenkens für die „T4-Opfer“wird dabei aufgezeigt. Diese Bemühungen haben durch den Beschluss des Deutschen Bundestages vor wenigen Tagen entscheidende Unterstützung erfahren. Es sollen Mittel des Bundes für ein  Denkmal an der Tiergartenstraße 4 bereitgestellt werden. Ein Ort der Information ist allerdings bisher noch nicht vorgesehen. Deshalb ist unsere virtuelle Gedenk- und Informationsseite so wichtig!  

Damit die europäischen Internetnutzer unabhängig von Alter, Bildung und geistiger Leistungsfähigkeit erreicht werden können, wurde gedenkort-T4.eu weitgehend barrierefrei und mehrsprachig in Deutsch, leichter Sprache, in Englisch und Polnisch erstellt. Gebärdensprachvideos sind in Arbeit.

Die Informations-und Gedenkseitefür die über 300.000 Opfer der NS-„Euthanasie“löst den vorläufigen blog www.gedenkort-T4.eu ab, ist aber auch in ihrer jetzigen Form erst der Anfang. Die interaktive Internetseite bietet die Chance, einen Erinnerungs- und Reflexionsprozess anzustoßen, der alle Generationen unserer Gesellschaft umfasst und dieses virtuelle Denkmal immer weiter ergänzen und gestalten wird. Es geht um die Heiligkeit des menschlichen Lebens in all seiner Vielfalt.

Datum, 24 | 11 | 2011