Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin hat Elke Seibt (Bild) die Paritätische Ehrennadel in Silber für ihr ermutigendes langjähriges ehrenamtliches Engagement als Expertin aus Betroffenheit und für ihren Einsatz für die Deutsche Rheuma-Liga Berlin e.V. verliehen. In seiner Laudatio sagte Helmut Forner, stv. Vorsitzender des Paritätischen Berlin:
Elke Seibt war erst Mitte dreißig, als sie an einer seltenen Form von Rheuma erkrankte. Mit der neuen Lebenssituation konfrontiert, fand sie 1993 in der behandelnden Klinik einen Flyer der Deutschen Rheumaliga. Sie nahm diesen Hinweis an und den Kontakt auf.
Rat und Hilfe im Umgang mit der Erkrankung waren zu dieser Zeit noch nicht sehr weit entwickelt, aber immerhin vorhanden. Elke Seibt arbeitete Schritt für Schritt an ihrer inneren Haltung zur veränderten Lebenslage. Ihren Beruf als Erzieherin konnte sie nicht mehr ausüben. Sie fühlte sich nun unterfordert. Die krankheitsbedingten Beeinträchtigungen sollten ihr Leben nicht dominieren.
Eine Begegnung mit Prof. Dr. Erika Gromnica-Ihle, heute Präsidentin der Deutschen Rheumaliga, ermutigte sie „Expertin aus Betroffenheit“ zu werden.
Elke Seibt entschloss sich, Aufgaben und Verantwortung in einer Selbsthilfegruppe zu übernehmen. Da sie Betroffene der seltenen Erkrankungsform des Sjögren-Syndroms ist, machte sie sich kundig. Die notwendigen laufenden Behandlungsphasen empfindet sie nicht mehr als Last sondern als Bestandteil des Alltags. Das erworbene Wissen gibt sie inzwischen in engagierter Weise weiter. Seit dem Jahr 2000 beteiligt sich Elke Seibt als „geschulte“ Patientin an Ausbildungsprojekten wie: „Gute Versorgung von Anfang an“ und am Programm „Patient Partner“. Es handelt sich hier um Projekte für Hausärzte bzw. Medizinstudenten. Studenten kommen auf diesem Weg mit der Sicht und den Erfahrungen Betroffener in Kontakt.
Seit einiger Zeit engagiert sich Elke Seibt beim Projekt „Praxisengel“. Das Projekt besteht seit 2008. Von rheumatischen Erkrankungen Betroffene werden qualifiziert, sie übernehmen eine Art Lotsenfunktion zwischen den Arztpraxen und allen relevanten Einrichtungen. Elke Seibt war der erste Praxisengel. Sie ist außerdem Landessprecherin für Menschen mit seltenen rheumatischen Erkrankungen und sie setzt sich für die Erstellung von Ratgebern für Neuerkrankte ein.
Hemmnisse, die mit der Krankheit verbunden sind, hindern Frau Seibt nicht. Sie motiviert sich stetig. Ihr Ziel ist es, ein positives Bild ehrenamtlicher Arbeit chronisch Erkrankter in der Öffentlichkeit zu zeigen. Diese Haltung wirkt wechselseitig auch in die Familie hinein. Elke Seibt wird von ihrem Engagement getragen, und sie gibt ein Beispiel zu kämpfen und dennoch das Leben zu genießen. Sie singt im Chor und genießt Unternehmungen mit Familie, besonders mit der fünfjährigen Enkelin.