Eroeffnung des Stadtteilzentrums Pankow - Foto: Martin Thoma Schuelerin einer frei gemeinnuetzigen Schule - Foto: Mitra e.V. Eine Breakdanceshow - Foto: Eberhard Auriga Ein Obdachloser auf einer Bank - Foto: Andreas Duellick

Der Mann mit der Ringmaus

Der Paritätische Wohlfahrtsverband hat Dr. Julius Deutsch die Paritätische Ehrennadel in Gold verliehen - für sein über Jahrzehnte andauerndes ehrenamtliches Engagement im Verein kommhelp e.V., indem er die Computertechnologie für Menschen mit Handicap nutzbar macht und ihnen so einen Zugewinn an Lebensqualität ermöglicht.

Der Impuls für gute Taten kommt manchmal unerwartet. Dr. Julius Deutsch, Chemiker und mathematisch fit, traf vor zirka 30 Jahren einen 18jährigen spastisch schwerstbehinderten jungen Mann.

Der junge Mensch verständigte sich mit Hilfe von Blisszeichen-Tafeln. Mit einer gewissen Anzahl von Kopfbewegungen führte er sein Gegenüber an die richtige Stelle der Tafelzeichen. Julius Deutsch fand diese Verständigung sehr aufwändig. Er experimentierte zu dieser Zeit schon mit der Computertechnologie und fand eine Möglichkeit, die Technik so zu gestalten, dass der geistig unterforderte junge Mann den Computer zur Verständigung nutzen konnte. Julius Deutsch vermittelte ihm so die Chance, Lesen und Schreiben zu lernen. Dieses Erlebnis wurde zum Gründungsgedanken für den Verein Kommhelp im Jahr 1989.

Seit 23 Jahren ist Julius Deutsch entschiedener Kämpfer für den Zugewinn an Lebensqualität durch den kreativen Umgang mit der Computer-Technologie. Sein Ziel: die Technik muss sich dem individuellen Bedarf des Menschen anpassen und sie sollte erschwinglich sein. Barrierefreie Kommunikation darf kein Privileg begüterter Menschen sein.

Früher, als er noch berufstätig war, investierte Julius Deutsch mehr als 10 Wochenstunden in dieses selbstgesetzte Ziel. Seit einigen Jahren ist er im „beruflichen Ruhestand“ und investiert nun noch mehr Zeit, um Menschen trotz körperlicher Einschränkungen Teilhabe zu ermöglichen. Zum Beispiel sorgt er dafür, den Cursor je nach individuellen Sehfähigkeiten vergrößern zu können. Die Bewegung mit der Maus ist vielen Menschen nicht möglich. Er sucht erfolgreich nach Alternativen, erfindet zum Beispiel eine „Ringmaus“ für den Zeigefinger. In die sich rasant wandelnden technischen Gegebenheiten fuchst sich der agile Ruheständler ein. Er tüftelt und sucht Lösungen für immer neue Herausforderungen, die durch die unterschiedlichen Behinderungen der Ratsuchenden gegeben sind. Sein Interesse führt ihn, weltweit vernetzt, zu Mitstreitern und Mitentwicklern.

Die Schulung von Multiplikatoren ist ein weiteres großes Thema. Seit vielen Jahren setzt Dr. Deutsch auf Kooperation mit Interessenverbänden der Behindertenorganisationen. Es geht ihm darum, Wissen weiter zu geben und Andere zu ermutigen, sich ebenfalls Wissen anzueignen, um mit Hilfe der digitalen Technik behinderten Menschen neue Wege zu öffnen.

Der Erfindergeit von Julius Deutsch und seine Beharrlichkeit verdienen Respekt und Anerkennung. 2008 bekam er den Taz-Panter-Preis, 2009 erhielt er den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Datum, 15 | 06 | 2012