Jeder Mensch wünscht sich in seiner vertrauten Umgebung alt zu werden, bei sich zu Hause oder im Kreis der Familie. Dieser Anspruch wird auch von dem Gesetzgeber aufgegriffen, der einen Vorrang der Leistungen für ambulante Pflege in den vier Wänden des Pflegebedürftigen vor dem Umzug in ein Pflegeheim bei der Leistungsgewährung vorsieht.
Verschiedene Reformen der Pflegeversicherung, zuletzt mit dem Ergebnis der Vergabe von Pflegenoten für Pflegeheime im Internet, bilden neben wirtschaftlichen Zwängen und den Folgen des demografischen Wandels für soziale Sicherungssysteme auch die sich verändernden gesellschaftlichen Anforderungen an die Pflege ab. Zukünftig wird die systematische Sicherung von Lebensqualität im Alter ein selbstverständlicher Anspruch an den Wohnort Pflegeheim sein.
Im Rahmen eines durch den Paritätischen Berlin geförderten Forschungsprojektes hat das Institut für Medizinische Soziologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin ein Instrument zur Messung von Lebensqualität für Pflegeheime innerhalb eines Jahres entwickelt, welches auf qualitativen Interviews mit Heimbewohner/innen basiert. Der Einsatz des Instrumentes wurde im Berichtsjahr validiert.
Pflegeheimbewohner als Experten für Lebensqualität
Der Ansatz des Instrumentes ist die Einschätzung durch die Bewohner eines Heimes selbst – als Experten ihrer subjektiv erlebten Lebensqualität. Die Interviews sollten von älteren Ehrenamtlichen im Rahmen offener Altenarbeit durchgeführt werden. Die Messung bezieht die Ist-Situation aber auch die Wunschebene des Interview-ten mit ein, um die subjektiven Aspekte herauszuarbeiten. Dazu werden Fragen mit Bewertungsmaßstäben beantwortet, die bevorzugten Lebensbereiche werden anschließend mit Hilfe eines Kartenspiels ausgewählt auf diese Weise wird die Soll-Vorstellung des Interviewten erfasst und mit der Ist und Wunschebene verglichen.
Neun ehrenamtliche Interviewer/innen wurden am 12. Februar 2012 zur Interviewführung und Einsatz des Instrumentes geschult. Sieben Pflegeheime erklärten sich bereit, unter ihren Bewohner/innen nach potentiellen Interviewpartnern zu fragen, die Kooperationspartner sind:
Die 36 Interviewpartner unter den Bewohner leben durchschnittlich seit 2,5 Jahren in den jeweiligen Heimen und sind zwischen 63 und 96 Jahren alt, die Interviews dauern durchschnittlich 35 Minuten.
Ergebnisse bestätigen Einsatzfähigkeit des Instruments durch ältere Ehrenamtliche
Die Ergebnisse der eingesetzten ehrenamtlichen Interviewer unterscheiden sich nicht von denen der Wissenschaftler, die als Vergleichsgruppe eingesetzt wurden, das Instrument kann also von ehrenamtlichen Kräften eingesetzt und im Rahmen der offenen Altenarbeit genutzt werden. Die Messergebnisse zu Ist-, Wunsch- und Sollebene lassen sich in bewohnerbezogenen oder einrichtungsbezogenen Profilen abbilden, die individuelle Situation eines Bewohners beispielsweise im Rahmen der Eingewöhnungsphase nach Einzug in das Heim oder die Potentiale einer Einrichtung können so quantifiziert dargestellt werden.
Auf der Abschlussveranstaltung des Projektes Quista am 26. Juni wurden die Arbeitsergebnisse der Messung von Dr. Liana Schenk, Roger Meyer und Daniel Drewniak vom Institut für Medizinische Soziologie der Charité - Universitätsmedizin Berlin vorgestellt, die Perspektiven der offenen Altenarbeit an der Schnittstelle zur Altenhilfe hat Peter Stawenow, Leiter des Kompetenzzentrums Offene Altenarbeit des Sozialwerks Berlin, eingenommen und eine Vision der regelhaften Lebensqualitätsmessung durch ältere Ehrenamtliche an der Seite des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse gezeichnet. Die Umsetzungsmöglichkeiten des Instrumentes im Zusammenhang mit der Qualitätssicherung wurden von Dr. Oliver Zobel und Markus Pleyer vorgestellt.
Große Bereitschaft der Heimträger zum Einsatz des Instrumentes
Ab 2013 soll das Instrument für Heimeinrichtungen zur Verfügung stehen, zur eigenen Anwendung Als interne Qualitätssicherungsmaßnahme oder als externe Prüfung durch ehrenamtliche Interviewer. Oswald Menninger hat die weitere Unterstützung und Förderung dieser wichtigen Entwicklung zugesagt, jetzt gilt es ehrenamtliche Interviewer auszubilden und die Auswertung der Ergebnisse für Heimträger leichter zu gestalten.