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„Ausbildung für einen boomenden Arbeitsmarkt“

Die Via Verbund gGmbH, Verbund für Integrative Angebote, hat im Mai 2012 eine Berufsfachschule für Altenpflege gegründet, mit Ursula Klotz als Schulleiterin. Die erste Klasse wird im Herbst 2012 starten.

Ursula Klotz, Jahrgang 1955, ist gelernte Krankenschwester, arbeitete nach einem Diplomstudiengang Biologie im ambulanten und stationären Bereich und drei Jahre als Unterrichtsassistentin an einer Krankenpflegeschule. Ergänzend dazu absolvierte sie ein Studium zur Diplom-Pflegepädagogin an der Humboldt-Universität in Berlin und war unter anderem für die Technische Akademie Wuppertal tätig, für die sie ein Fachseminar für Altenpflege aufbaute. Die Via Verbund gGmbH ist seit über 20 Jahren im Betreuungs- und Pflegebereich tätig und mit dem Via Qualifizierungszentrum ein erfahrener Anbieter auf dem Gebiet der Fort- und Weiterbildung.

Frau Klotz, wie kam es zur Gründung der Berufsfachschule durch die Via Verbund gGmbH mit Ihnen als Schulleiterin?

Der erste Kontakt zum Via-Verbund kam auf Vermittlung des Paritätischen zustande. Ich hatte mich mit meinen Ideen zur Gründung einer Berufsfachschule für Altenpflege unter dem Dach des Paritätischen an das Referat Ambulante Pflege und Hospize, Dr. Oliver Zobel, gewandt. Er wusste von einer bereits bestehenden Initiative aus der Praxis zur Gründung einer Berufsfachschule durch die Via Verbund gGmbH. Nach den ersten Gesprächen war klar – es passt! Meine vielfältigen Lehrerfahrungen aus dem Bereich der Altenpflegeausbildung und die Impulse aus der praktischen Arbeit einer paritätischen Mitgliedsorganisation ergänzen sich hervorragend. 

Was unterscheidet die Via-Berufsfachschule von anderen Schulen?

Die „Via Berufsfachschule für Altenpflege“ hat den Anspruch, eine Schule aus der Praxis heraus für die Praxis zu sein. Durch die Gründung eines Beirates sollen insbesondere die Bezüge zur Praxis langfristig und nachhaltig gesichert werden. Durch das aktive, durchaus auch berufspolitische Engagement von den verschiedensten Fachleuten innerhalb des Beirates erwarten wir uns wichtige Impulse für die Begleitung und Weiterentwicklung der Altenpflegeausbildung, insbesondere im Zusammenhang mit der bevorstehenden Ausbildungsreform. Via besitzt mit dem Kompetenzverbund Soziales und Gesundheit Berlin bereits jahrelange Erfahrung mit kooperativer Bildung. Wir wünschen uns viele engagierte Beiräte aus paritätischen Mitgliedsorganisationen. 

Eine zweite Besonderheit im Angebot der Via-Berufsfachschule soll der präventive Ansatz sein. 

Auszubildende werden von Anfang an für die Bedeutung der eigenen gesunden Lebensführung sensibilisiert. Es ist unbestritten, dass der Beruf des Altenpflegers und der Altenpflegerin sowohl physisch als auch psychisch so einiges abverlangt. Leider sind häufig chronische Erkrankungen die Folge. Hier wollen wir die Ausbildungszeit nutzen, um Gesundheitsvor- und Selbstsorge zu trainieren. 

Mit einer solchen Angebotspalette dürften Sie auf Kooperationspartner angewiesen sein.

Das Thema Kooperation ist für uns von zentraler Bedeutung. So zählen von Anfang an Akutkrankenhäuser und Krankenkassen zu unseren Partnern. Außerdem kooperiert die Via-Berufsfachschule für Altenpflege mit der Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften. So ist es möglich, bei Eignung und wenn die Zugangsvoraussetzungen vorliegen, neben der Ausbildung ein Bachelor-Studium Pflegemanagement zu absolvieren. Und last but not least ist die Lage der Via-Berufsfachschule für Altenpflege so zentral – zentraler geht es nicht: in der Axel-Springer-Straße 42, Berlin-Mitte. Die Schulungsräume sind in der Reha-Akademie angesiedelt, im so genannten Herzhaus. 

Dieser Standort ist tatsächlich das Herz von Berlin, zumindest geografisch. 

Mit der Reha-Akademie, einer Berufsschule für Physio-therapie, die seit 30 Jahren am Markt ist, haben wir einen idealen Partner gefunden. Es bietet sich förmlich an, gemeinsam Projekte durchzuführen: die angehenden Physiotherapeuten und die angehenden Altenpflegefachkräfte. Das stellen wir uns sehr bereichernd vor! Alles zusammen: Schule aus der Praxis für die Praxis, Beirat aus Vertretern der Praxis sowie der präventive Ansatz sind ein absolutes Novum in der Ausbildungslandschaft innerhalb dieser Berufsgruppe und garantieren eine hohe Qualität der Ausbildung. An dieser Stelle darf darauf hingewiesen werden, dass Qualifizierungen, die die Via Verbund gGmbH von jeher anbietet, seit 2008 ISO zertifiziert sind und eine sehr hohe Akzeptanz genießen.

Welche Fort- und Weiterbildungen bietet die Via-Berufsfachschule für Altenpflege an?

Da wären zu nennen ein Auffrischungskurs in Erster Hilfe. Diese modular aufgebaute Fortbildung orientiert sich an den neuesten Richtlinien der Notfallmedizin und beinhaltet zahlreiche praktische Übungen. Des Weiteren eine Kurzschulung „Diabetes für medizinische Fachangestellte“ und der „Praxisanleiter bzw. -anleiterin für bereits examinierte Pflegefachkräfte“ . Weitere Angebote werden wir sicher noch entwickeln.

Wie sehen die Berufschancen für Absolventen aus?

Sehr gut. Grundsätzlich ist zu sagen, dass sich die Berufsausbildung für Altenpflegekräfte im Zuge der Ausbildungsreform verändern wird. Es wird zukünftig eine gemeinsame Ausbildung geben für Alten-, Gesundheits- und Krankenpflege. Die bisherige Trennung wird also aufgehoben. Die Fachkräfte werden gleichgestellt. Das wird langfristig zu einer Aufwertung des Berufs der Altenpflege führen. Bisher ist dieses Berufsbild geprägt von Frauen. Es ist aber zu beobachten, dass auch immer mehr männliche Interessenten nachrücken. 

Welchen möglichen Gewinn haben junge Menschen von einer solchen Ausbildung?

Es kommt oft vor, dass junge Menschen zwar ausgebildet, dann aber nicht übernommen werden von den Unternehmen. Davon kann in dieser Sparte überhaupt nicht die Rede sein. Im Gegenteil! Es gibt viele offene Stellen und jeder Absolvent wird gebraucht! Es ist sowohl eine anspruchsvolle Ausbildung, als auch später im Einsatz ist man gefordert. Es gibt viele Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten und damit verbunden Aufstiegschancen. Beispielsweise zur Wohnbereichsleitung, zum bzw. zur Qualitätsbeauftragten sowie in andere Managementbereiche. Hierfür allerdings braucht es ein Studium – und auch das ist bei uns schon während der Ausbildung möglich durch unsere Kooperation mit der Akkon-Hochschule. Das Wichtigste aber bleibt der Umgang mit Menschen, der einem viel zurück gibt an Emotionen. 

Wie sollte ein idealer Bewerber bzw. eine ideale Bewerberin für den Beruf des Altenpflegers mitbringen?

Man muss sich gut auf andere Menschen einstellen können. Ist man eher in sich gekehrt und sehr schüchtern, könnte es schwierig werden. Man muss sich abgrenzen können, die Sorgen und Nöte nicht mit nach Hause nehmen – das erfordert einen professionellen Umgang und ist wichtiger Bestandteil unserer Ausbildung. Ansonsten zählt Teamfähigkeit dazu, aber auch die Fähigkeit, eigenständig Entscheidungen treffen zu können. Speziell für die Ausbildung wäre Spaß am Lernen eine gute Vor-aussetzung sowie Neugierde für theoretisch-fachliche Inhalte, die man dann auch in die Praxis umsetzen kann.

Wann und wo startet die Schule mit dem ersten Durchgang?

Die Unterrichtsräume befinden sich in der Axel-Springer-Straße 42, in Berlin-Mitte. Der erste Durchgang der dreijährigen Vollzeitausbildung startet am 1. September, der erste Durchgang der Teilzeitausbildung am 15. September. Das berufsbegleitende Studium beginnt am 1. Oktober 2012. Anmeldungen nehmen wir gern entgegen. Jeden Montag um 15 Uhr bieten wir ein Informationsgespräch an.

Frau Klotz, was wünschen Sie sich für die Zukunft der Pflege? Auch mit Blick auf die Imagekampagne des Paritätischen „Gute Pflege braucht…“?

Ehrlich gesagt, wünsche ich mir, dass wir – langfristig gesehen – wegkommen von großen, eher unpersönlichen Einrichtungen und dass man eher die Möglichkeit hat, selbstbestimmt in kleineren Einrichtungen oder Wohngemeinschaften zu leben und einen persönlichen Bezug zur Pflegekraft hat. Und natürlich wünsche ich mir rundum gut ausgebildete Fachkräfte.

Weitere Informationen: 

VIA Berufsfachschule für Altenpflege i.G.

Axel-Springer-Straße 42; 10969 Berlin

Ursula Klotz, Schulleiterin

Telefon 030 25 37 39 27

Telefax 030 44 35 48 99
www.via-berufsfachschule.de

Datum, 15 | 06 | 2012