Regal im Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel Ein Kameramann - Foto: Michael Janda

Paritätischer Rundbrief

Aktuelle Ausgabe: Mai 2013
Die Zeitschrift für Mitglieds-organisationen erscheint 10 x jährlich.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an rundbrief@paritaet-berlin.de. 

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Barbara John meint:

Fix fit in der Jugendhilfe!

Von Barbara John

In den Monaten Januar und März fanden drei hoch informative Veranstaltungen zur Jugendhilfe statt: Fixfit Kita! Fixfit Jugendarbeit! und Fixfit HzE! – Hilfen zur Erziehung.

Sie waren gedacht als Crashkurse in Sachen Jugendhilfe für die neuen Mitglieder der Jugendhilfeausschüsse und die Parlamentarier in Abgeordnetenhaus und BVV, die nach den Berliner Wahlen im vergangenen Herbst für die Jugendhilfe mit in der Verantwortung stehen. Der Paritätische Wohlfahrtverband Berlin und die anderen Liga-Wohlfahrtsverbände hatten dazu eingeladen. Die Chance, fix fit zu werden, nutzten die frisch gebackenen Politiker gern – alle drei Veranstaltungen fanden sehr viel Zuspruch!

Danken möchte ich an dieser Stelle neben den Initiatoren auch den Experten aus Politik und Verwaltung sowie aus Fachverbänden und Jugendorganisationen, die viel zum Gelingen der drei Veranstaltungen beigetragen haben. Alle dabei verwendeten Dokumente sind auf der Internetseite www.paritaet-berlin.de unter Themen von A-Z zu finden.

Der Zeitpunkt für die Veranstaltungen war mit Bedacht gewählt – die Wahlperiode hat erst vor kurzem begonnen, und wir sind mitten in den Haushaltsverhandlungen! Ein gelungener Beitrag also, um die anstehenden Fach- und Finanzdebatten zur Jugendhilfe zu versachlichen.

Für den Kitabereich sieht die Situation erfreulich aus. Berlin ist für Familien mit Kindern attraktiv, und die gute Kitaversorgung in Berlin hat daran Anteil. Damit dies so bleibt, muss viel getan werden. Seit einigen Jahren schon werden in Berlin mehr Kinder geboren als alle Prognosen voraussagen. Derzeit gibt es 190 000 Kinder unter 6 Jahren in der Stadt, und alles spricht dafür, dass die Zahlen weiter steigen werden. Dem muss sich auch die Kitaplanung anpassen. In den letzten drei Jahren sind 9300 Kitaplätze neu entstanden - fast alle bei den freien Trägern! Aber bis 2015 fehlen immer noch 19 000 Plätze! Gut, dass sich das Land Berlin dazu durchgerungen hat, 20 Millionen für ein Kita-Ausbau-Programm im neuen Doppelhaushalt vorzusehen – ein Erfolg, zu dem wir der neuen Jugendsenatorin Sandra Scheeres gratulieren können!

Unter Hochdruck werden nun also neue Kitaplätze geschaffen! Die Achillesferse dabei ist der Fachkräftemangel. Viele Wege sind zu beschreiten, um Fachkräfte zu gewinnen und zu qualifizieren.

Dies alles kostet das Land Berlin viel Geld – Geld, das gut angelegt ist. Dies zeigen die Einschulungsuntersuchungen. Je früher die Kinder eine Kita besuchen, desto besser sind die sprachlichen Voraussetzungen.

Im Vergleich zur Kitaversorgung haben es die Jugendarbeit und die erzieherischen Hilfen viel schwerer, sich als eigenständige Bereiche neben Kita und Schule zu behaupten und anerkannt zu werden. Schon finanziell wird die Jugendarbeit stiefmütterlich behandelt. Statt mindestens zehn Prozent des gesamten Jugendhilfeetats für Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen, wie es das Berliner Ausführungsgesetz zum KJHG vorsieht, bewegen sich die Etats für Jugendarbeit faktisch um die fünf Prozent. Damit droht ein wesentlicher Punkt der Jugendarbeit aus dem Blick zu geraten, nämlich: Dass die Förderung aller jungen Menschen ermöglicht werden soll – ohne Verengung auf soziale Benachteiligung! Studien zeigen: Die aktiven Jugendlichen in Projekten und Jugendorganisationen sind die Ehrenamtlichen von morgen!

Drei Forderungen möchte ich herausgreifen: Erstens muss Jugendarbeit eine verlässliche finanzielle Grundlage erhalten und darf nicht nur über jederzeit kündbare Projekte angeboten werden. Zweitens müssen die Gehälter der Beschäftigten in der Jugendarbeit an die Tariferhöhungen des Landes angepasst werden. Drittens müssen Zuwendungen und Entgelte auf Basis realisierbarer Leistungen der Träger berechnet werden.

Bei der Veranstaltung Fixfit HzE sorgte vor allem der Beitrag der Grazer Jugendamtsleiterin für innovative Impulse. Seit 2010 gibt es in Graz ein Modellprojekt, in dem die fachliche und finanzielle Steuerung der Erziehungshilfen über sozialraumorientierte Budgets erprobt wird – mit sehr überzeugenden Resultaten. Unter anderem wurde der Kostenanstieg für Erziehungshilfen gestoppt.

Unser Verband hat bereits 2002 erstmals Grundzüge eines sozialraumorientierten Jugendhilfebudgets entwickelt. 2008 gab es einen Beschluss des Abgeordnetenhauses, in zwei Berliner Bezirken eine Jugendhilfebudgetsteuerung zu erproben. Danach jedoch geschah nichts. Nun wird es Zeit, dass die Berliner Jugendhilfeexperten und politischen Entscheider von Graz lernen. Zwei Berliner Bezirke sollten den Mut aufbringen, eine Budgetsteuerung für die Jugendhilfe modellhaft zu erproben.

Datum, 26 | 04 | 2012