Gartenarbeit in einer Flüchtlingsunterkunft des ASB, Foto: Anne Jeglinski In einer Unterkunft des Vita e.V., Foto: Martin Thoma In einer Unterkunft des Vita e.V., Foto: Martin Thoma In einer Unterkunft des Vita e.V., Foto: Martin Thoma In einer Unterkunft des Vita e.V., Foto: Martin Thoma

Schneiden oder Schrauben?

Junge Geflüchtete erhalten erste Berufseinblicke und können testen, was ihnen liegt

Die Helmut Ziegner Berufsbildung gGmbH (HZBB) ermöglicht jungen Geflüchteten erste Praxiserfahrungen in bis zu zwölf Berufsfeldern im Projekt „Flüchtlingscafé +“. 

Von der Schule über die Ausbildung in den Beruf
Die Jugendlichen kommen an einzelnen oder mehreren Tagen zu Schnupperkursen in die verschiedenen Berufsfelder der Ausbildungszentren der HZBB. Die Ziele: Berufe und Berufsfelder kennenzulernen, das duale Ausbildungssystem zu verstehen, zu sehen, welche Berufsfelder mehr Spaß machen und wo die Stärken liegen, neue Freunde und Vorbilder zu finden, die ihren Weg in Ausbildung und Arbeit bereits gegangen sind. Das gemeinnützige Unternehmen widmet sich seit langem insbesondere jungen Benachteiligten mit besonderem Förderbedarf mit vielfältigen bewährten Angeboten und neuen Projekten. Es ebnet den Weg des Übergangs von der Schule über die Ausbildung in den Beruf. In allen Ausbildungswerkstätten hält es Angebote zur Berufsorientierung und -vorbereitung sowie zur Ausbildung in diversen Berufen bereit.

Praktisch eigene Stärken erfahren
Es ist deshalb kein Wunder, dass die HZBB 2017 mit Mitteln der Stiftung Deutsches Hilfswerk ein Projekt zum Ausprobieren von neuen Wegen der Integration und Teilhabe für junge Geflüchtete im Bezirk Steglitz-Zehlendorf etablierte. Im Flüchtlingscafé + konnten sich bisher 72 junge Männer und Frauen an mindestens zwei Tagen außerhalb der Schulzeit in den unterschiedlichsten Werkstattbereichen orientieren und frei ausprobieren. Sie konnten ihre Kompetenzen zeigen und praktisch ihre eigenen Stärken erfahren. Viele der unbegleiteten minderjährigen Jugendlichen haben weder Schule noch Ausbildung in ihrer alten Heimat durchlaufen. Manche sind nur sechs Jahre zur Schule gegangen, oft eine Koranschule, andere hatten nie Mathematik oder Fremdsprachen. Einige haben somit nie erfahren, was Lernen bedeutet, andere beherrschen auch nach zwei oder mehr Jahren in Deutschland noch nicht ausreichend die deutsche Sprache, um sich selbständig auf dem Ausbildungs- und oder Arbeitsmarkt umzuschauen. Die jungen Menschen haben im Flüchtlingscafé + die Möglichkeit, sich praxisnah und handlungsorientiert in den Bereichen Tischlern, Frisieren, Elektrik, Malern, Lackieren, Fahrzeug, Garten, Büro und Kosmetik umzusehen sowie erste Arbeiten anzufertigen. 

Langsam Sicherheit gewinnen
Was macht das mit den Jugendlichen? Wir erleben, dass im unmittelbaren Testen der verschiedenen Arbeiten in den Werkstätten oft erste tragfähige Vorstellungen über die eigenen Interessen und die eigenen Möglichkeiten entstehen. Durch die persönlichen Kontakte der Jugendlichen mit Sozialarbeiterinnen, Sozialarbeitern und Ausbildern eröffnen sich ihnen neue Welten, die zu neuen (Er)kenntnissen führen, wie dem Spracherwerb oder der ersten beruflichen Orientierung, auch dem Wunsch, später auch Sozialarbeiterin oder Sozialarbeiter zu werden. Diese völlig andere Welt und Kultur, die auf die Jugendlichen einstürmt, aber auch das Fehlen der Angehörigen oder vertrauten Personen von früher und das noch oft fehlende sichere Gefühl, die fehlende Geborgenheit, stellen eine enorme Herausforderung im neuen Leben dar. 

Ankommen oder Rückkehrperspektiven
Da erweist sich das Projekt der HZBB als große Unterstützung, als vertraute Umgebung ohne Druck und vielleicht auch ein Stückchen neues Zuhause. Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer entwickeln aber auch erstmalig realistische Rückkehroptionen und wollen mit den sich neu erschlossenen beruflichen Möglichkeiten eine neue Existenz in ihrem Heimatland aufbauen. Vor den Jugendlichen wie auch den Projektmitarbeitern liegt noch ein großes Stück Arbeit. Nach dem Grundsatz: Um den Weg im Leben zu finden, benötigen alle Jugendlichen Unterstützung und Hilfe.

Förderer sind die Deutsche Fernsehlotterie, das Deutsche Hilfswerk und die HZBB.
Mehr Informationen über die Helmut Ziegner Berufsbildung gGmbH finden Sie auf Internetseite:
www.hz-bb.de

(aw)

Datum, 17 | 07 | 2018