Die Mitarbeiterinnen kamen sowohl aus klassischen Mädchenläden wie auch von Trägern, die neben anderen meist Jugendhilfeleistungen einen wöchentlichen, zweistündigen Mädchentreff oder Mädchenberatung anbieten.
Der Fachtag enthielt eine Zweiteilung: Der Vormittag bestand aus drei Inputreferaten, am Nachmittag wurden drei workshops angeboten, die auf den Referaten aufbauten.
Im ersten Fachreferat wurde den Zuhörerinnen die jahrhundertealte Tradition der Subsumtion des Weiblichen unter die männliche Sprachform vorgeführt. Auf amüsant vergnügliche Art hat Frau Prof. Pusch die Teilnehmerinnen hinsichtlich des unkritischen Gebrauchs der maskulinen Sprachform sensibilisiert und mit ihren anschaulichen Beispielen selbst aufgeklärte und sprachbewußte Frauen nachdenklich gestimmt.
Selbst-Wert fängt bei der Sprache an. Viele junge Frauen fallen durch ein "Aufholen" im Vulgarisieren und Selbstabwertungen ihrer Sprache auf
Negative Attribuierung von weiblichen Peers wie Hure, Votze sind somit nicht als weiblicher "Befeiungsschlag" von tradierten Rollen zu sehen, sondern zeugen vielmehr von einer neuen doppelten Verleugnung von Weiblichkeit ins Negative. Nach L. Pusch ist der verächtliche Wortgebrauch selber eine Tat, ein Ausdruck von Gewalt und Frauenhass. Sie fordert : "Das Feminar: Wir machen unsere Sprache selber."
www.fembio.org/biographie.php/frau/blog
Im zweiten Beitrag von Frau Athanassopoulos ging es um das Thema:
"Gewaltbereite und gewalttätige Mädchen". Hier wurde eine Kleinststudie zu Erklärungsansätzen von gewaltätigem Verhalten junger Frauen vorgestellt.
Insgesamt ist ein "Aufholen" von Gewaltdelikten bei jungen Frauen zu verzeichnen.
Dabei stellt sich bei genauerem Hinschauen heraus, dass das Gros der Mädchen Ohnmachts- und Missachtungserfahrungen gemacht hat. Die Täterinnenrolle erscheint als Ausweg daraus. Gewaltakte erscheinen als positive identitätsstiftende Erfahrung.
Ein negatives Selbstkonzept kann die Grundlage zur Ausübung von Gewalt darstellen. Passive Mütter sind als Vorbilder für junge Frauen schwer annehmbar und können eine problematische Mutter-Tochter-Beziehung begünstigen. In dieser Spannung kann für junge Frauen Gewalt ein wichtiger Aspekt für ihre weibliche Identität werden.
Im dritten Beitrag hat die Diplom-Psychologin Frau von Strempel die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) dargestellt.
Bei der BPS kommt es häufig zu Selbstverletzungen und Gewalteinwirkungen gegenüber dem eigenen Körper wie Schneiden, Ritzen und Knochenbrechen.
Beim BPS handelt es sich um eine schwere psychische Störung, die mit großen Schwierigkeiten bei der Affektregulation einhergeht. Es kann sich durch übergroße Angst vor dem Verlassen ausdrücken, durch instabile Beziehungen, durch massive Abwertung von Menschen, selbstgefährdendem Verhalten und durch unangemessene Wut.
Sehr häufig sind Menschen mit BPS selber Opfer von Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen gewesen.
Am Nachmittag wurden Workshops angeboten, die Konzepte und praktische Impulse für die konkrete Arbeit mit Mädchen vorstellten. Die praktische Umsetzung und Anwendung der Inhalte stand hierbei im Vordergrund.
Im Anschluss an die Veranstaltung wurde ein Auswertungsbogen verteilt.
Aus den Rückmeldebögen ging große Zustimmung zu dem Fachtag hervor verbunden mit dem Wunsch nach weiteren Fachtagen dieser Art.
Dagmar Schilling